Was ist Morbus Bowen?

Ein Morbus Bowen zeigt sich als rötlich-schorfige, flache, scharf eingegrenzte und dennoch unregelmäßig geformte Erhebung der Haut, meist am Rumpf, an den Fingern, an den Unterschenkeln und auch an verschiedenen Hautarealen, die dem Licht der Sonne nicht ausgesetzt sind. Er gilt als frühe Variante des hellen Hautkrebses.
Morbus Bowen tritt oft bei gealterten Menschen zwischen dem 70. und dem 80. Lebensjahr auf – häufiger sind Frauen betroffen.
Das Bowen-Karzinom wird den Plattenepithel-Karzinomen zugeordnet. Wird die rechtzeitige Behandlung versäumt, kann ein Morbus Bowen als Spinaliom in tiefer gelegene Schichten der Haut eindringen, um sich weiter aggressiv ausbreiten zu können. Die generierten lebensbedrohlichen Tochtergeschwulste werden Metastasen genannt; dabei handelt es sich um Zellnester oder einzelne Krebszellen, die sich verbreiten und sich an verschiedenen Organen festsetzen können, um sie zu zerstören.
Bowen-Karzinome müssen daher frühzeitig erkannt und entfernt werden.

Wie entsteht Morbus Bowen?

Für den Morbus Bowen als Vorstufe eines Bowen-Karzinoms gibt es verschiedene Auslöser. Weil er auch an lichtgeschützten Körperstellen auftritt, gilt aggressive und womöglich langjährige Sonnenbestrahlung lediglich als ein Faktor unter anderen Einflüssen. Entsprechende Herde an Körperstellen, die dem aggressiven Sonnenlicht ausgesetzt sind, heißen aktinische Keratosen.
Bestimmte Hauttypen gelten als vermehrt anfällig. In der Vergangenheit hatte oft Arsen als Auslöser funktioniert – Arsen war einerseits Bestandteil diverser Arzneimittel und andererseits ein viel verwendetes Spritzmittel in den Weinbergen. Weil die Winzer das Arsen im frisch gepressten Traubensaft konsumierten, gilt ein Bowen-Karzinom u.a. auch für diese Beschäftigtengruppe als Berufskrankheit. Darüber hinaus gelten polyzyklische Kohlenwasserstoffe wie Teer, Ruß, Benzin oder auch Benzol als risikobehaftet. Wissenschaftliche Analysen machen auch Viren vom Typ HPV 16, auch 18, 31,33 als Krebsauslöser aus. Nicht zuletzt gelten auch relativ weitverbreitete Genussmittel, wie Alkohol und Nikotin, als auslösende Faktoren.

Was sind Symptome von Morbus Bowen?

Mediziner bezeichnen den Morbus Bowen als frühe Erscheinungsform eines Bowen-Karzinoms. Deshalb reden die Fachleute hier vom „Carcinoma in situ“, von einem “Krebs in Entstehung”. Ein Morbus Bowen tritt zunächst meist als münzförmige, einzelne, leicht erhabene Ekzem- oder Schuppenflechten-Stelle auf. Im Allgemeinen haben Erkrankte zu etwa 40 Prozent mehrere und zu etwa 60 Prozent einzelne Krankheitsherde.
Am häufigsten werden Stellen an Händen, Armen, Unterschenkeln, an Hals und Kopf befallen. Die generierten Herde sind oft unregelmäßig ausgeformt und scharf begrenzt. Es besteht die Gefahr, diese Herde zum Teil jahrelang zu übersehen, weil sie relativ langsam wachsen und diverse Hautkrankheiten zu imitieren in der Lage sind.
Eine Variante des Morbus Bowen ist die Erythroplasie de Queyrat – ein Morbus Bowen der Schleimhäute. An der Mundschleimhaut, an der Scheide der Frau oder am Penis des Mannes entsteht er einzeln oder mehrfach als flacher und rötlicher Herd.
Fachärzte denken bei einer vorgestellten, einzelnen Schuppenflechte oder bei einem mutmaßlichen Pilz, bei einem vermeidlichen Ekzem oder einer „kleinen Entzündung“, die zudem auf eine äußerliche Behandlung nicht ansprechen, an einen Morbus Bowen.

Mit welchen Diagnosemethoden wird Morbus Bowen erkannt?

Viele Patienten kommen mit vermeidlichen Ekzemen oder lediglich kleinen Hautentzündungen in die Praxen der Fachärzte. Sprechen die vorgestellten Erkrankungen auf traditionelle äußerliche Behandlungsmaßnahmen nicht an, ist die Entnahme von Hautproben angezeigt.
Morbus Bowen hat eine günstige Heilungsaussicht, wenn die Diagnosestellung frühzeitig erfolgt. Die Hautärzte können anschließend aus verschiedenen nichtoperativen und operativen Heilverfahren auswählen.

Therapieverfahren bei Morbus Bowen

Die entnommenen Hautproben werden mikroskopisch-histologisch untersucht. Kam nach der Auswertung der Untersuchungsergebnisse eine gesicherte Diagnose zustande, stehen den Dermatologen verschiedene Therapieverfahren zur Verfügung. Dabei ist das Herausschneiden des Tumors eine sichere Methode, dabei kommen spezielle, hochmoderne Operationstechniken zum Einsatz. Die Operationen sind schmerzfrei und ambulant realisierbar. Anschließend wird das Tumor-Gewebe mikroskopisch untersucht, um den Erfolg der OP nachzuweisen. Die erneute Erkrankungsrate liegt danach bei 19 Prozent.
Der Einsatz anderer Therapiemethoden richtet sich nach den jeweiligen Situationen. Es kann sinnvoll sein, den Hautkrebs mittels Chemotherapie, Bestrahlung, Elektrodesikkation, Curettage, Vereisung, Laserbehandlung oder durch Röntgenbestrahlung zu behandeln.
Falls es das vorliegende Stadium oder die Art des Tumors zulässt, kommen hochmoderne fotodynamische Therapien oder tumorzerstörende Cremes wie Imiquimod, Aldara, 5-Fluoruracil u.ä. zum Einsatz.
Nach vollendeter Therapie muss eine jährlich turnusmäßige Nachuntersuchung durch den Dermatologen vorgenommen werden.

Ist Morbus Bowen als Berufskrankheit anerkannt?

Ab dem 1. Januar 2015 wird in Deutschland die Berufskrankheit „Hautkrebs“ neu eingeführt (BK 5103). Besonders Freiluftarbeitern wie Landwirten, Dachdeckern, Bauarbeitern, Schiffern, Skilehrern, Briefträgern u.ä. wird ein erhöhtes Risiko zugestanden, am hellen Hautkrebs zu erkranken. Dabei handelt es sich um die flächig und multipel auftretenden aktinischen Keratosen als auch um das Karzinom selbst.
Die neuen Regelungen generieren weitreichende Konsequenzen: Dabei spielen lange Latenzzeiten bei der Berechnung zusätzlicher Versorgungsgelder für Rentner aus o.g. Berufsgruppen genauso eine Rolle wie der Stellenwert präventiver dermatologischer Nachsorge- und Vorsorgemaßnahmen.

Wissenswertes zu Morbus Bowen

Kommt innerhalb einer Hautkrebstherapie das Medikament Vemurafenib zum Einsatz, haben wissenschaftliche Analysen eine Neigung zur Herausbildung einer chronisch lymphatischen Leukämie nachgewiesen. Medikamente wie Vemurafenib und Dabrafenib wirken andererseits erfolgreich innerhalb der Hautkrebstherapie, sodass begleitende Blutuntersuchungen anzuraten sind.
Weil Tumoren der Haut und ihre aggressiven Vorstufen wie der Morbus Bowen aufgrund der intensiven Sonneneinstrahlung und anderer Umweltfaktoren sowie der Altersentwicklung innerhalb der deutschen Bevölkerung ein zunehmendes gesundheitliches Problem darstellen, werden bedeutende Finanzmittel in die medizinische Forschung investiert. Beispielsweise hat die federführende Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) einen Antrag für ein neu etabliertes Graduiertenkolleg an der Dermatologischen Klinik der Universitätsmedizin Mannheim bewilligt.
Wie im gesamtgesellschaftlichen, großen Rahmen gilt auch im individuellen, kleinen Rahmen: Vorsorge ist besser als Nachsorge.
Das beginnt mit umfassenden und ausreichenden persönlichen Sonnenschutzmaßnahmen und reicht bis zu den turnusmäßigen Vorbeugeuntersuchungen. Denn zur Früherkennung eines Morbus Bowen wie auch vieler anderer Hauterkrankungen sind regelmäßige Hautkrebsvorsorgeuntersuchungen unverzichtbar.
Regelmäßige Nachsorgeuntersuchungen stehen Morbus-Bowen-Patienten zur Prävention erneuter Erkrankungen ebenso zur V